Historisches Archiv der Stadt Osthofen

Über das Stadtarchiv Osthofen
Das Stadtarchiv Osthofen ist mit seinem beträchtlichen Umfang von über 80 Regalmetern ein hervorragendes Beispiel für die historische Bedeutung und Bürgernähe von kommunalem Verwaltungsschriftgut. Mit Unterlagen zu den geistlichen Besitzungen reicht es bis in das 15. Jahrhundert zurück (Nr .194 f.), was eine Seltenheit unter den rheinhessischen Gemeinde- und Stadtarchiven ist.

Insgesamt spiegelt das Schriftgut die ganze Bandbreite einer allumfassenden kommunalen Verwaltung und der ihr obliegenden Daseinsfürsorge vom 17. bis in das 20. Jahrhundert: Bürgerlisten, Ratsprotokolle, Gericht, Feuerwehr, Schule, Landwirtschaft, Weinbau, Kriegszeiten und Kriegsfolgen. Sehr umfangreich ist insbesondere das überlieferte Rechnungsschriftgut, welches nicht nur die wirtschaftliche Tätigkeit der Gemeinde spiegelt, sondern auch die unternehmerische Struktur.

Die Geschichte der medizinischen Versorgung der Bevölkerung mit Ärzten und Hebammen lässt sich bis mindestens 1757 zurückverfolgen (Nr. 184). Die Almosenrechnungen zeigen sehr eindringlich die Entwicklung des gemeindlichen Sozialwesens schon ab 1677 (Nr. 230-232).
Insbesondere die Tatsache, dass aus dem 17. und 18. Jahrhundert zahlreiche Unterlagen enthalten sind, macht das Stadtarchiv Osthofen ungemein bedeutsam, haben doch viele Gemeinden in dieser Zeit mehr oder weniger ihr gesamtes Schriftgut durch Kriege verloren.

Eine weitere herausragende Besonderheit des Stadtarchivs Osthofen besteht darin, dass sich in ihm Unterlagen der französischen Kantonalverwaltung erhalten haben, welche neben Osthofen weitere 14 Gemeinden (Abenheim, Alsheim, Bechtheim, Dittelsheim, Dorn-dürkheim, Eich, Eppelsheim, Gimbsheim, Hamm, Heppenheim, Hessloch, Monzernheim, Rheindürkheim, Westhofen) umfasste.
Mit Akten zu Fronleistungen, Steueraufkommen und Wehrpflicht spiegeln diese Unterlagen die großen Lasten, denen die Bevölkerung in der Zeit der französischen Herrschaft – 1792-1814 – ausgesetzt war. Umfangreiche Bevölkerungslisten und Volkszählungsunterlagen dieser Zeit bilden eine unschätzbare Quelle zur Erforschung der Bevölkerungsgeschichte.
Das Stadtarchiv Osthofen stellt insgesamt eines der bedeutendsten Stadtarchive in Rheinhessen dar.

Zugang zum Archiv
Die Archive des Landes Rheinland-Pfalz sind frei zugänglich, sie stehen ohne Gebühren jedem offen, der ein ernsthaftes Interesse an archivischen Recherchen hat und die Benutzerordnung beachtet.

Ermittlung von Archivalien
Eine erste Hinführung zu den Beständen des Landesarchivs bietet zum einen das Findbuch, das auch im Lesesaal bereit liegt.
Die Aktenbestände befinden sich im Magazin, zu dem ausschließlich qualifiziertes Personal Zugang hat.

Bestellung und Zugang zu Archivalien
Vorbestellungen müssen den ehrenamtlichen Archivpflegern telefonisch oder per E-Mail mitgeteilt werden. In jedem Fall muss ein gemeinsamer Termin vereinbart werden, der sich an den Öffnungszeiten der KZ-Gedenkstätte Osthofen orientiert (Dienstag bis Freitag von 9:00 bis 17:00 Uhr, Samstag und Sonntag von 13:00 bis 17:00 Uhr).

Anfertigung von Reproduktionen
Die Anfertigung von Kopien richtet sich nach dem konservatorischen Zustand der Archivalien und ist gebührenpflichtig. Die digitale Reproduktion mittels Digitalkamera oder Smartphone ist kostenlos und gestattet, solange nicht konservatorische Gründe oder Sperr- und Schutzfristen dem entgegenstehen.

Einsichtnahme in gesperrte Akten
Akten mit besonders schutzwürdigem Inhalt (Arztgeheimnis, Sozialgeheimnis, Anwaltsgeheimnis, Steuergeheimnis) sind ab ihrer Entstehung für 60 Jahre gesperrt. Akten mit sonstigen schutzwürdigen personenenbezogenen Angaben sind nach Maßgabe der Lebensdaten der betroffenen Personen bis 100 Jahre nach der Geburt bzw. bis zehn Jahre nach ihrem Tod gesperrt. Wenn weder das Jahr der Geburt noch das Jahr des Todes der Betroffenen bekannt sind, gilt eine Frist von 60 Jahren nach Entstehung der Unterlagen. Eine ausnahmsweise Verkürzung bestehender Sperrfristen ist grundsätzlich möglich; bitte wenden Sie sich dazu an die Lesesaalaufsicht.

Belegexemplar
Verdankt eine Publikation wichtige Erkenntnisse den Archivbeständen des Stadtarchivs, so ist ein Belegexemplar der Publikation bei der Stadtverwaltung Osthofen, Friedrich-Ebert-Straße 31-33 zu hinterlegen.